Hauptmenü

Alleinerziehend.de Forum
20. Oktober 2017, 05:18:09 *
Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.

Einloggen mit Benutzername und Passwort
Info-Center: Statistiken
Letzte Beitrage
 
   Übersicht   Hilfe Suche Einloggen Registrieren  
Seiten: 1 [2] 3   Nach unten
  Drucken  
Autor Thema: ..und doch Menschen zweiter Klasse!!  (Gelesen 12955 mal)
0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.
EX-User
Gast
« Antworten #10 am: 11. Oktober 2003, 11:36:38 »

Nora, heute morgen scheinen wir zwei wohl eine Art Zwigespräch zu halten, während alle anderen noch schlafen oder so Zwinkernd

Was ich nicht verstehe ist, dass bei dir es so besonders ist, alleinerziehend zu sein. Auf unserem Elternabend war von jedem Kind nur ein Elternteil da, ob alleinerziehend oder nicht, die Frage wurde gar nicht gestellt (ich weiß vom letzten Jahr, dass mindestens 7 Mütter alleinerziehend sind). Ich musste, als ich für eine Veranstaltung Elternhilfe brauchte, feststellen, dass genau 5 Mütter vormittags Zeit haben und die restlichen 17 arbeiten, ob alleine oder nicht. Du machst was, du musst dich nicht rechtfertigen, was du machst und schon gar nicht, ob es gut ist oder nicht, was du machst!!!

Zur Kirche kann ich ne Gegengeschichte erzählen:
Meine Tochter will ja getauft werden. Der sehr konservative Pfarrer bestand darauf, dass wir in eine Messe kommen und uns anschließend mit ihm unterhalten. Ich fand das zwar doof, denn wirklich reden kann man da ja auch nicht, aber ich dachte mir, naja, das ist der Preis, den zahlen wir halt jetzt.

Wir also Mittwoch Abend in die Messe. Sie fand in der Kapelle statt, weil wohl zu wenig Leute unter der Woche die Messe besuchen. Wir also da rein, beide gewandet in Jeans, lange Haare, dann sitzen da ausschließlich 70-Jährige mit weiß, bläulich gefärbten, toupierten Haaren, die schicken Sonntagskostümchen an und alle glotzen uns an. Meine Tochter kriegt die Krise in dieser Umgebung, aber ich bleibe hart, da müssen wir jetzt durch, dauert ja nur ne halbe Stunde oder so.

Dann kam der Pfarrer mit seinem roten, strengen Gesicht, voll aufgemotzt mit goldenem Glitzerhängerchen, alle müssen leise sein, stehen auf, meine Tochter ist total eingeschüchtert wegen all der Strenge, dem Ungewohnten. Hihi, dann fängt der Pfarrer an zu reden und was erzählt er? Die Geschichte von Magdalena, die so anders ist als all die anderen und trotzdem von Christus geliebt wird, weil nämlich nur das Innere zählt und nicht der äußere Schein und auch nicht der Status in der Gesellschaft. Als die Messe vorüber war, hat er beim Hinausgehen meine Tochter angelächelt und ihr über die Haare gestreichelt.

Mann, war das Klasse. Ich bin bis heute am Rätseln, ob es Zufall war oder Absicht des Pfarrers. Keine Ahnung. Auf jeden Fall hat er sich anschließend wirklich nett mit uns unterhalten (in diesem Gespräch hat er übrigens nicht einmal gefragt, ob meine Tochter ehelich ist oder nicht) und wenn wir jetzt noch nen Taufpaten auftreiben (das is ne andere traurige Geschichte), dann ist in zwei Wochen Taufe!  Smiley

[Editiert am 11/10/2003 von Redwood]
Gespeichert
EX-User
Gast
« Antworten #11 am: 11. Oktober 2003, 12:17:44 »

Liebe Nora

die Geschichte mit der Predigt (Thema "Ehe") in der Kirche trieb mir  mad  ins Gesicht.
Wie groß ist denn die Gemeinde in die Du gehst? Ich hätte mich wohl vom Pfarrer persönlich angegriffen gefühlt, und wäre ihm dafür sicherlich, GANZ PERSÖNLICH ins GESICHT gesprungen:) :) :)

Ich finde es bewundernswert, dass du da immernoch die Kraft findest hinzugehen. thumbup


Ich für meinen Teil habe mit dem Thema abgeschlossen. Glauben kann man auch ohne eine Institution, die einem vorschreibt wie man zu leben hat, und was "richtig" und was "falsch" is.

DA BEKOMME ICH SOOOOOOOOOOOOOOOOO EINEN HALS wenn ich dass lese.

@Redwood

die Geschichte von dem Kirchenbesuch is mal nen positives Beispiel, wie es laufen kann:)

Ich habe auch lange überlegt, ob ich meinen Sohn taufen lasse. Zumal die Schwangerschaft ziemlich problematisch war, und ich zum Anfang wirklich angst um sein Leben hatte, und mir gewünscht hätte, er wäre getauft. Mein Freund war immer dageben. So und nun denke ich mittlerweile, dass er dass wirklich irgendwann selber entscheiden soll, ob er es will, oder nich.

Irgendwie hoffe ich ja schon, dass er sich irgendwann dafür entscheidet. Mal abwarten:)
Gespeichert
EX-User
Gast
« Antworten #12 am: 11. Oktober 2003, 12:36:15 »

Huhu Leo,
also wenn du dafür wärst, dann könntest du nen Anfang machen indem du ihn dann in der Schule freiwillig für den katholischen Religionsunterricht anmeldest.

Ich habe das getan, zwar nicht wegen dem Religiösen, sondern, weil die Ethikkinder hier stundenplanmäßig immer noch klar benachteiligt werden (Nachmittagsunterricht), aber jetzt im Nachhinein ist dieser Religionsunterricht sehr hilfreich. Zwinkernd
Gespeichert
EX-User
Gast
« Antworten #13 am: 11. Oktober 2003, 12:41:05 »

:)

hehe redwood:) Ich als Saupreussin:) würde ihn wenn dann nur zum evangelischen Unterricht anmelden:)

Aber vielleicht muss ich ja doch noch mal konvertieren, wer weiß....*grins*

[Editiert am 11/10/2003 von leocon]
Gespeichert
EX-User
Gast
« Antworten #14 am: 11. Oktober 2003, 12:45:41 »

Stimmt, haste recht. Ich hatte vergessen, dass ja nur wir unten hier so erzkatholisch sind. Naja, der Vater meiner Tochter ist auch evangelisch, ich persönlich halte das auch für die bessere Kirche, leider hat meine Tochter sich anders entschieden, als sie bei der Einschulung die Wahl hatte...

Da können wir machen, was wir wollen, manche Dinge können wir bei unseren Kids einfach nicht beeinflussen. Smiley
Gespeichert
EX-User
Gast
« Antworten #15 am: 11. Oktober 2003, 13:07:25 »

Hallo Nora,
bei uns hier, es ist ein kleines Dorf mit ca. 2000 Einwohnern (und kein DSL  cry_smile )  sind Alleinerziehende nichts besonderes. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass auf Elternabenden (kl. Grundschule bis zur 4. Klasse) zum Großteil die Mütter alleine aufkreuzen ob jetzt verheiratet oder nicht.  Es war auch nie ein Thema, dass ich alleinerziehend bin. Als wir mitten in der Trennung steckten, hab ich den KIGA vom Kleinen und auch den Lehrer von der Großen darüber informiert damit sie in dieser für die Kinder schwierigen Zeit ein bisserl nachsichtiger sind. War dann auch so.

Es ist natürlich Ansichtssache, ob man den Status Alleinerziehend negativ oder positiv sieht.

@Leocon und Nora
zum Thema Kirche und Ehe. Der Pfarrer in Nora`s Gemeinde hat nur wiedergegeben, was die Kirche im Falle einer Trennung/Scheidung vorschreibt. Es ist nunmal so, dass die Ehe von der Kirche aus ein Sakrament ist, das nur einmal im Leben vergeben wird. Man sollte sich eben darüber im Klaren sein, dass man wenn man kirchlich heiratet, in den Augen der Kirche untrennbar mit dem Anderen verbunden wird.
Ob das Gott genauso sieht, dass steht wieder auf einem anderen Blatt.  ;)
LG
Junimond
Gespeichert
EX-User
Gast
« Antworten #16 am: 11. Oktober 2003, 14:37:48 »

Hallo Nora!

Ich denke, dass Du in die Aussagen der Menschen ( oder in ihre Gesichtsausdrücke ) zu viel ( falsches ) hineininterpretierst.

Jetzt lebe ich fast 6 Mon. von meinem Fastexmann getrennt. Kurz nach der Trennung war es mir peinlich alleinerziehend zu sein. Ich fühlte mich wie ein Versager: ich schaffte es nicht meine Ehe zu erhalten und ich schaffte es nicht, meinen Kindern eine Rama-Familie zu erhalten.
Überall wo ich nur hinging dachte ich, dass man mich schief anguckte, weil ich ja AE bin. Ich fühlte mich unwohl  Traurig  
Später fühlte ich mich weiterhin unwohl, dachte mir aber: "Hey, die Leute können doch gar nicht wissen, dass Du AE bist. Nur, weil Du alleine mit zwei Kids unterwegs bist, heißt es doch nicht gleich, dass Du AE sein mußt!"

Noch paar Monate später war mir alles egal. Ich habe mir zugestanden, dass es mit der Ehe nicht klappte und, dass ich eben AE bin.
Noch später wurde mir klar, dass ich als AE besonders stolz auf mich sein kann, dass ich DAS GANZE so gut manage, dass es mir und den Kindern auch in diesem "Zustand" gehen kann usw.
Heute gehe ich fröhlich raus und denke gar nicht mehr daran, dass ich AE bin( bis auf ein paar kleine Ausrutscher   ;) ).
Ich bin ich. Und das wichtigste ist: mir und den Kindern soll es gut gehen  :)

Zu früheren Elternabenden ging ich IMMER mit meinem Mann zusammen. Vor zwei Wochen ging ich das erste Mal alleine hin. Paar der Mütter wissen inzwischen, dass ich AE bin. Die neue Lehrerin meiner Tochter bestand nicht darauf, dass sich jeder einzeln vorstellt. Nur sie stellte sich vor. Aber hätte sie mich danach gefragt, ob ich ae bin oder nicht. Hätte es mir nichts ausgemacht.

Nora, es gibt viel mehr wichtigeres als sich dauernd darüber Gedanken zu machen, wie Du bei den Menschen als AE ankommst. Nicht das ist wichtig. Sondern Du selbst! Du, Du, Du.
Und auch wenn Du eine Hausfrau, ohne Job und ohne eine Schulung wärst, wäre daran nichts verwerfliches und nichts wofür Du Dich schämen müßtest. Jeder ist so wie er ist. Entweder akzeptieren das die Menschen oder nicht. Mach Dir einfach keine Gedanken darüber in welche Schublade, Dich die Lehrerin eingestuft haben könnte ( wobei das nur Deine Vermutungen sind. Vielleicht hast Du Dich da ganz geirrt. Vielleicht dachte die Lehrerin: Toll diese Frau! Sie ist AE! Hat tolle Kinder und schafft es auch noch eine Einschulung nebenbei zu machen! )
Woher willst Du es wissen, dass sie nicht so über Dich gedacht hat?! question

Ich hoffe, Deine Gedankengänge in eine andere Richtung gekickt zu haben  Lächelnd

LG
 thumbup
Gespeichert
sylvie
Gast
« Antworten #17 am: 11. Oktober 2003, 15:37:57 »

Hallo ihr Lieben,

ich bin ja einigermaßen erschüttert, welche Erfahrungen hier von einigen mit der Kirche gemacht wurden.
Was mich ganz besonders stutzig macht: gibt es denn in der katholischen Kirche kein Presbyterium? Na ja, ich kenne mich eigentlich herzlich wenig damit aus, was die Kirchenstrukturen angeht. Ich weis eigentlich nur, dass ein Pfarrer eigentlich keine schwerwiegenden einsamen Entscheidungen trifft, wenn das Presbyterium nicht dem zustimmt. Na ja, ich denke Mal, bei uns funktioniert das Zusammenspiel zwischen Pfarrer, Presbyterium und der Gemeinde wohl hervorragend und das liegt bestimmt nicht nur daran, dass unser Pfarrer und seine Frau bisher kaum die 30 überschritten haben dürften.
Wisst ihr ich bin ne geborene „Ostbirne“ und dort, wo ich herkomme war eben alles, was mit der Kirche zusammenhing verpönt.
Kirchenarbeit und Gemeindeleben habe ich erst hier kennen gelernt und nachdem ich das hier eben von euch gelesen habe, kann ich wohl glücklich sein, genau gegenteilige Erfahrungen machen zu dürfen.
In Zeiten in denen Scheidungen, Alleinerziehende und eben auch Scheidungskinder genauso normal sind, wie das tägliche aufstehen, finde ich die hier zitierten Aussagen diverser Pastoren mal vorsichtig ausgedrückt, etwas bedenklich.
Ich erzähle euch mal, was in unserer Gemeinde so abgeht!
Na ja, es ist eine sehr aktive und moderne Gemeinde. Die Kirche ist sonntags nie fast leer, wobei auch mindestens die Hälfte der Leute noch nicht zum alten Eisen gehört. Im Sommer werden sogar „Waldgottesdienste“ abgehalten. Freizeitmäßig, wird eine Menge geboten. Direkt neben der Kirche befinden sich ein „Jugendheim“, das rege genutzt wird, sowie 2 Finnenhütten in denen Jugendgruppen oft übernachten können. Neben dem „normalen“ Kirchenchor existiert hier ein Gospelchor, der fast ausschließlich aus Jugendlichen besteht und auch seit diesem Jahr wieder eine eigene Band. Die Jugendlichen der Gemeinde treffen sich Mittwochabends immer zum gemeinsamen Beisammensein. Auch für das ältere Semester ist im Jugendheim immer Platz. Hier laufen neben Glaubensseminaren 1x im Monat das „Christliche Frauenfrühstück“ (seit die Frauen anfingen, auch arbeiten zu gehen, wird dieses dann abends noch einmal wiederholt), sowie ebenfalls 1x im Monat der „Männerdämmerschoppen“. Jeden 2. Sonntag im Monat laden der Pfarrer und seine Frau ein zum gemeinsamen Kaffeetrinken und „klönen“. Da ist dann auch Jung und Alt dabei und jeder steuert irgendetwas für die Kaffeetafel dabei. Hier hat man auch die Möglichkeit, mit dem Pfarrer oder anderen Personen über persönliche Probleme zu diskutieren, die einen Bewegen. Na ja, es passiert noch viel mehr in unserer Gemeinde, was mir jetzt so auf die Schnelle gar nicht einfällt.
Jedenfalls haben alle 3 meiner Kinder in der Schule am ev. Unterricht teilgenommen. Ich wollte, dass sie sich einmal frei entscheiden können. Meine kleinste hat das dann auch umgesetzt und hatte dieses Jahr im Mai dann ihre Konfirmation. Getauft wurde sie vorher in der Osternacht. Das ist allgemein üblich hier, da viele Gemeindemitglieder der Meinung sind, ihre Kinder sollen sich frei entscheiden können, selbst die Kinder unseres Dekans wurden erst vor der Konfirmation getauft.

Und Leute! – das war nicht davon abhängig, ob ich selbst Mitglied der Kirche bin, oder nicht.
Ich bin bis heute nicht getauft, was mich nicht davon abhält, alle 14 Tage zum Hauskreis zu gehen oder etwa an Glaubensseminaren teilzunehmen usw. Und ich fühle mich hier keineswegs ausgegrenzt oder unter Druck gesetzt, mich doch endlich zu Gott zu bekennen. Das einzige, woran man bei mir merkt, dass ich vielleicht „nicht dazugehöre“ ist eben, dass ich beim Heiligen Abendmahl sitzen bleibe und nicht nach vorne gehe.

Auch hier ist es Pflicht, dass Präparanden bzw. Konfirmanden 25x im Jahr sonntags in die Kirche gehen (also im Allgemeinen alle 2 Wochen) und jeden Mittwoch zum Präparanden-/Konfirmandenunterricht. Aber ich glaube es eigentlich nicht, dass unsere Jugendlichen oder deren Eltern das als Zwang empfinden. Einige Gottesdienste werden auch von den Jugendlichen gestaltet. So auch der Konfirmationsgottesdienst, der regelmäßig von den Konfirmanden ausgerichtet wird – dafür entfällt dann jegliche weitere Prüfung eines Konfirmanden hier.

Ich kann mir gar nicht erklären, warum das von Gemeinde zu Gemeinde so unterschiedlich sein soll. Zum Glauben gehört eben auch einfach eine funktionierende Glaubensgemeinschaft. In den Fällen, in denen ein Pastor euch eine solche Antwort geben kann, Nora und Redwood, kann es mit der Gemeinde eigentlich auch nicht weit her sein.
Das finde ich sehr schade!

Liebe Grüße, Sylvie
Gespeichert
EX-User
Gast
« Antworten #18 am: 11. Oktober 2003, 17:51:06 »

@sylvie
Evangelische und katholische Kirche sind 2 Paar Stiefel. Nora und Redwood reden von der katholischen. Hier gibt es auch keinen Pastor sondern nen Pfarrer.
Was ist eigentlich Presbyterium??
LG
Junimond
Gespeichert
sylvie
Gast
« Antworten #19 am: 11. Oktober 2003, 18:36:19 »

Hallo Junimond,

ein Presbyterium ist so etwas wie der Kirchenrat. Es besteht aus Gemeindemitgliedern, die alle paar Jahre von allen Gemeindemitgliedern gewählt werden.

Naja, dass es da konfessionelle Unterschiede gibt, ist mir schon klar.  Allerdings hätte ich mir die nicht so krass vorgestellt in der heutigen Zeit.

Liebe Grüße, Sylvie
Gespeichert
Seiten: 1 [2] 3   Nach oben
  Drucken  
 
Gehe zu:  

Powered by MySQL Powered by PHP Powered by SMF 1.1.11 | SMF © 2006, Simple Machines LLC Prüfe XHTML 1.0 Prüfe CSS
Die Artikel sind geistiges Eigentum des/der jeweiligen Autoren, alles andere © 2003 - 2011 by Alleinerziehend.info